
Im Sommer 2006 sprach William Lewis mit einem alten Freund in Australien. Ihn und Garth Jones verband seit 40 Jahren eine herzliche Freundschaft, die aber auch mit einem starken Konkurrenzdenken einherging. Garth stellte den beiden eine neue Herausforderung.
“Nimm eine Weltkarte und markiere die vier Endpunkte”, sagte Garth. “Nordkapp, den nördlichsten Punkt Norwegens; Cape Spear in Neufundland/Kanada, den östlichsten Punkt Nordamerikas; Ushuaia, die südliche Spitze von Feuerland in Argentinien und Cape Agulhus bei Kapstadt in Südafrika. Fahr mit dem Auto dorthin und benutze dasselbe Fahrzeug für den gesamten Weg. Schiffe sind nur erlaubt, wenn es absolut notwendig ist.”
Williams Abenteuerlust wurde geweckt und so planten sie im Laufe des Jahres 2008 abzureisen. Kurz danach allerdings entschied William, dass er keine zwei Jahre mehr warten konnte und so musste er jemand Anderen finden, der früher aufbrechen konnte. Er musste gar nicht weit schauen: Seine Partnerin, Christine Godfrey, hatte ihn schon zuvor auf Reisen nach Europa, Australien und in die USA begleitet, um ihre acht Kinder und neun Enkelkinder zu besuchen. Mit voller Vorfreude auf ein großes Abentuer verließ das Paar schließlich ihr Haus in Surrey (England) am 4. Mai 2007 in einem Familien-Vierradantrieb, den sie liebevoll „ET” nannten.
In den darauf folgenden 14 Monaten reisten sie 90,000 Kilometer durch 46 Länder. Die Orte und Eindrücke ihrer Reise waren unvergleichlich: Die antiken Pyramiden in Zentralamerika, die mysteriösen Nazca- Linien in Peru, das warme und gastfreundliche Wesen der Russen am Ufer des Baikalsees in Sibirien und auch die Erlebnisse in den Wüsten der Mongolei, als sie vom Militär festgenommen wurden, nachdem sie sich verlaufen hatten.
Die zwei durchquerten die Nullarbor-Wüste in Australien und fuhren vom glitzernden Wasser der Great Ocean Road in Victoria bis hin zu den türkisfarbenen Buchten und Seen im Westen. Sie reisten durch Afrika, trugen geladene Waffen mit sich, um sich vor den Gefahren im Norden Kenias zu schützen und erreichten schließlich den Nahen Osten, wo sie durch die Labyrinth-Gassen der Altstadt von Damaskus in Syrien schlenderten.
Wie hält man solch eine Reise fest? Kurz vor ihrer Abreise aus Honfleur in Frankreich am 4.Mai kaufte Christine zwei wunderschöne Paperblanks-Notizbücher. Sie gab William das eine und behielt das andere für sich. Das Paar holte die Bücher an jedem Tag ihrer Reise hervor und am Ende ihrer Reise waren insgesamt acht Notizbücher vollgeschrieben.
In einer Welt, in der fast jede Form von Kommunikation und sogar Briefe elektronisch verschickt werden und hinterher im Äther verschwinden, wollten Christine und William etwas Beständiges und Dauerhaftes zurücklassen. Ihre Erinnerungen, die sie in den Notizbüchern festhielten, nehmen einen ganz besonderen Platz in ihren Herzen ein. Ein Schatz mit vielen Erinnerungen auch für ihre Kinder und Enkelkinder, damit diese auf die Reise ihrer abenteuerlustigen Großeltern zurückschauen können.
Und was dachte Williams Freund Garth von der ganzen Sache? Er war traurig, dass ihm die Reise entgangen war, aber voller Bewunderung; und er war der Erste, der die Bücher von Anfang bis Ende lesen durfte.










