Neben seinem Engagement für die Umwelt und seinen selbst auferlegten sozialen Verpflichtungen hat es sich Paperblanks auch zur Aufgabe gemacht, Künstler zu fördern und kulturelle Einrichtungen zu unterstützen. Bei der Auswahl legt der Verlag besonderen Wert auf den künstlerischen Anspruch, das Engagement der Verantwortlichen und die Zusammenführung internationaler Künstler. Das von der Hochschule Bremen und Radio Bremen veranstaltete Internationale Literaturfestival Bremen poetry on the roadist seit mehr als zehn Jahren fester Bestandteil des Bremer Kulturlebens. Das Festival hat sich zu einem starken Anziehungspunkt für Autoren aus Deutschland und der Welt entwickelt. Von traditioneller Lesung über Slam Poetry bis hin zu Performances gab es dieses Jahr erneut Lyrik mit allen Sinnen zu erleben.
Ein Erlebnisbericht
SAMSTAG, 5. JUNI / 20 UHR
Es war ins Theater am Leibnizplatz bei der Shakespeare-Company geladen und der Abend wurde ein wirklicher poetry on the road trip durch Europa und über seine Grenzen hinaus. Nach dem furiosen Start von Nora Eugenie Gomringer zeigt die als Dichterin, Spoken-Word-Poetin und Sängerin mit ihren erst 30 Jahren schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, besuchten wir John F Deane auf Achill Island vor Irland, dem Gründer von »The National Poetry Society Ireland« und deren Zeitschrift »The Poetry Ireland Review«, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Nobelpreisträgers Heinrich Böll aufwuchs und in seinem Leben schon viele Literaturauszeichnungen sammeln durfte und trafen dann nach wahrlich poetischen Umwegen auf die südafrikanische Lyrikerin, Performerin und Schauspielerin Lebogang Mashile die eine der bekanntesten Künstlerinnen Südafrikas ist. Sie zog das Publikum auch nach fast drei Stunden mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und kraftvollen Lyrik in ihren Bann. Auf dem Weg dorthin machten wir Station beim katalanischen Dichter Eduard Escoffet, der im Grenzbereich von traditioneller und visueller Poesie, von Sound¬poetry und Performance arbeitet und einer der bedeutendsten spanischen Vertreter seiner Generation ist; kamen in der Ukraine bei Serhij Zhadanvorbei, der über den ukrainischen Futurismus promovierte, in seiner Heimat Kneipen und Stadien¬ füllt wie bei Popkonzerten und der uns mit seiner Poesie immer wieder zum Lachen brachte; und lauschten außerdem den Geschichten des russischen Dichters, Kunstkritikers und Hochschullehrers am Russischen Institut für Kunst¬geschichte Dmitri Golynko. Abgerundet wurde das Programm vom Georg-Büchner-Preisträger Volker Braun, dessen Gesamtw¬erk mehr als zwei dutzend Bände umfasst. Durch den Abend führte übrigens in seiner unnachahmlichen Art der bekannte Schriftsteller Michael Augustin von Radio Bremen, der als Mitverantwortlicher des Festivals Tags zuvor lesen durfte.
SONNTAG, 6. JUNI / ab 11 UHR
Am darauf folgenden Tag lud bei strahlendem Wetter Moderator Thorsten Jantschke ins Weserhaus von Radio Bremen. Den Dichter-Reigen eröffnete dann auf sehr charmante Weise
Ulrike Almut Sandig. Ihren besonderen Betrachtungen über die Liebe, den Verquerungen von Mensch und Tier und den vielen anderen Kleinigkeiten, die das Leben ausmachen, folgte mit dem russischstämmigen New Yorker Eugene Ostashevsky die eigentliche Entdeckung des Festivals. Der auch als DJ Spinoza auftretende Dichter und Wissenschaftler zieht gleichermaßen Liebende, Dichter, Philosophen, die Wissenschaft und die Reflexion der eigenen Existenz überhaupt in hochintelligenter Weise und mit tiefgründigem Witz durch den Kakao. Im weiteren Verlauf beeindruckte uns die mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Daniela Danz mit ihrer formstarken Lyrik, die uns nicht aus unserer Geschichte entlässt, sondern vielmehr die aktuell gesellschaftspolitischen Themen mit den immer wiederkehrenden Fragen des Menschen konfrontiert. Zu erwähnen ist auch der Schriftsteller, Künstler und Kulturjournalist Arne Rautenberg, der seine Arbeiten als Collagen und großflächige Schriftinstallationen im Raum erscheinen lässt, was sich dann ebenso in der bildhaften Sprache seiner phantastischen Kinderbücher ausdrückt. Oder die Schriftstellerin Hester Knibbe, die uns den unverletzlich verletzlichen Achill als verdrängte Thematik der verletzlich unverletzlichen Mutter und Göttin Thetis offenbart. Ebenfalls zu Gast an diesem Morgen waren der Ungar
István Kemény, der mit seinem literarischen Werk, das neben Lyrik auch Prosa, Essays und Drehbücher umfasst, die nachfolgenden Generationen seines Landes stark beeinflusst und Björn Kuhligk, dessen Gedichte mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden.
Nach diesen erfrischenden wie tiefsinnigen Auswürfen dichterischen Denkens fuhren dann Dichter, Gäste, Sponsoren und Veranstalter gemeinsam mit dem Schiff zum alten Speicher nach Vegesack auf das letzte Deutsche Schulschiff, einem herrlichen 86 m langem Vollschiff (alle 3 Masten rahgetakelt). Dicht gedrängt lauschten die Zuhörer unter Deck den Literaten, die alle jeweils nur ein Gedicht vortragen durften.
Man spürte, dass innerhalb dieser internationalen Dichtergemeinschaft in den Tagen von Bremen ein reger Austausch stattfand. Das lag sicher zunächst einmal am gegenseitigen Interesse der Künstler selbst, doch das hierfür notwendige besondere Ambiente schuf die Organisation des Festivals, für die Regina Dyck von der Hochschule Bremen und Michael Augustin von Radio Bremen verantwortlich sind. Wenn man sieht, mit welchem Engagement auch noch nach 10 Jahren die beiden dieses Festival leiten, dann wundert es nicht, dass sich poetry on the road als seriöses, innovatives und bekanntes Literaturtreffen nicht nur in Deutschland einen Namen gemacht hat und zu einer festen Größe in der Literaturszene geworden ist.
